inneres Kind hochsensibel

Ein starkes und hochsensibles Team: Mein inneres Kind und ich (Teil 2)

Teil 2:  Mein inneres Kind spricht mit mir!

(Teil 1 findest du hier)

Nun war sie da – mein Kathrinchen – mein inneres Kind, als Puppe, selbst gestaltet nach meinen inneren Bildern. Als ich gemeinsam mit ihr zum Ausbildungswochenende („Erwachsen und Sein“) bei Amaté kam, war ich total nervös: Wie sehen die anderen Puppen aus? Hat noch jemand seine Puppe selbst gestaltet? (ja – gestrickt!) und was würde ich am Wochenende mit meinem Kathrinchen erleben?

Mein Ausbildungsleiter, Herbert Mikisch, hat uns in sehr achtsamen Art und Weise an unser inneres Kind herangeführt. Die ganze Gruppe war tief berührt und ich vergoss im Fühlen dieser neuen Verbindung viele Tränen der Liebe, der Erleichterung, des Glücks.

Deinem inneren Kind Zeit geben

An eine spezielle Übung kann ich mich noch sehr gut erinnern: Unser inneres Kind durfte uns einen Brief schreiben. Hoffnungsvoll nahm ich mir einen Stift und Papier und setzte mich mit meinem Kathrinchen hin und wartete.

Und wartete.

Und wartete.

Während rund um mich fleißig Seite um Seite beschrieben wurde. Nur mein Kathrinchen hatte mir offenbar nichts zu sagen. Ich machte mir Sorgen und Herbert meinte nur, ich sollte mir und dem Kathrinchen einfach Zeit lassen. Ich nahm den Rat von Herbert gerne an und auch sein Rat, wir sollten unsere Innere-Kind-Puppe die nächsten 3-6 Monate möglichst rund um die Uhr bei uns haben, egal, was wir machen, also auch beim Einkaufen, Urlauben oder zur Arbeit. Ich habe diese Zeit auf ein ganzes Jahr ausgedehnt.

So begleitete mich mein Kathrinchen nach dem Ausbildungs-Wochenende mit nach Hause und überall hin, wo ich auch war. Das erste, was ich von ihr hörte, war eine Geschichte, die einfach so aus mir strömte „Mieze Gatse und Mopsen Bär“. Ich war überglücklich und sah mich schon als neuen Star unter den Kinderbuch-Autoren. 🙂

Doch dann hüllte sich mein Kathrinchen wieder in Schweigen. Es war Herbst. Dann wurde es Winter, das neue Jahr begann und im Jänner konnte ich meine Ausbildung erfolgreich abschließen. Kathrinchen schwieg weiter. Ich nahm sie überall hin mit und nähte und strickte ihr neues Gewand. Kathrinchen blieb schweigsam. Es wurde Frühling und ich hatte mich schon an das Schweigen gewöhnt. Manchmal war das Schweigen liebevoll, manchmal grantig und mürrisch. So ein Schweigen kann einem auch viel sagen, wenn man genau hinhört! Mein Kathrinchen fuhr mit in den Urlaub und war im Rucksack immer mit dabei. Und schwieg.

Und dann – nach Monaten – sprach mein inneres Kind mit mir!

Dann, es war mittlerweile Mai geworden, hatte ich Urlaub. Mein Freund musste arbeiten und ich hatte 2 volle Wochen zur Verfügung. Was tun? Ich hatte keine Ahnung. Und plötzlich hörte ich eine Stimme in mir. Ich wusste sofort, das war mein Kathrinchen! Und was sagte sie?

„Mir ist so fad. Mir ist langweilig. Warum passiert denn hier nichts?“

Ich war zuerst wie vor dem Kopf gestoßen, doch es stimmte: mein Leben war bestimmt von meiner Arbeit als Berufsberaterin, meinem Freund, Haushalt, Lesen, Kochen, Essen, Schlafen. Wo war die Freude? Wo das Neue? Wo das Kreative? Wo war mein Leben?

Kurzer Hand packte ich mich zusammen, fuhr zum Gründerservice der Wirtschaftskammer in Wien und meldete mein Gewerbe an. Oh das war sehr spannend! Was war zu tun? Wo anfangen?

Nun war von Langeweile und Routine nicht mehr viel übrig:

  • Ich konnte mich bei einer Freundin in die wunderschöne Praxis einmieten
  • Ich hatte plötzlich die Idee, mit hochsensiblen Menschen zu arbeiten, die – ähnlich wie ich in den letzten 15 Jahren, ihr Potenzial freilegen und entfalten möchten
  • Ich überlegte einen Namen für meine Webseite
  • Ich gestaltete meine Webseite und lern(t)e viel über WordPress und SEO und Ranking
  • Ich gestaltete eine Fanseite auf Facebook
  • Ich gründete eine Gruppe auf Facebook
  • Ich gestaltete Visitenkarten und Postkarten
  • Ich fertigte meine erste Auftragspuppe an….

Und bis heute bleibe ich durch mein Kathrinchen kreativ:

  • Ich mache alle Fotos für meine Webseite, meinen Blog und meine Postings auf FB selbst und bin mittlerweile auch bei Instagram mit dabei
  • Ich überlege mir für fast jeden Tag im Jahr Postings, die meinen Fans auf Facebook (hoffentlich) einen Mehrwert bringen.
  • Ich organisiere Treffen für hochsensible Menschen in Wien
  • Seit Jänner 2017 bin ich Kontaktfrau für Wien des Vereins hochsensitiv.net
  • Ich baue meine Webseite laufend aus, spreche Meditationen, habe einen Newsletter …

und die Liste ließe sich noch fortsetzen:

  • Ich habe begonnen Aquarelle zu malen
  • Ich bin wieder öfter in der Natur und sehe überall kleine Gesichter in Bäumen und Steinen
  • Überhaupt habe ich das Gefühl, immer mehr Zugang zu meiner Kreativität zu haben, ohne sie zu werten: es soll Spaß machen, nicht „schön“ sein.

Auch meine Persönlichkeit hat sich durch die Versöhnung mit meinem inneren Kind verändert:

  • Ich bin mutiger und ich habe das Gefühl, dass ich nicht mehr allein „wo durch muss“
  • Ich lern(t)e nach und nach meine Bedürfnisse kennen und ich lern(t)e auch, sie vor anderen zu äußern bzw. einzufordern
  • Ich lache wesentlich mehr
  • Ich finde in mir Kraft und Trost
  • Ich habe viel weniger Selbstzweifel
  • Ich entschuldige mich nicht mehr für einfach alles
  • Ich bin selbstbewusster und kann auf viele Arten „nein“ sagen
  • Ich stehe mehr zu mir und meinen Eigenheiten
  • Paradoxer Weise – oder eben auch nicht – fühle ich mich „er-wachsen“ und die Momente, wo ich mich kindisch verhalte, sind (fast) vorbei. Im Gegensatz zu „kindlich“ – das kann ich jetzt auch gut!

Ich bin sehr dankbar, dass ich durch die Rückverbindung mit meinem inneren Kind so viel Gutes in mein Leben bringen konnte. Und ich hoffe, dass ich gemeinsam mit Kathrinchen auch Gutes in dein Leben bringe:

Herzlichst, Katharina

PS: Wie es dazu kam, dass ich mein inneres Kind als Puppe gestaltet habe, das erzähle ich in Teil 1. Bitte hier klicken!