Glückliche Kindheit

Hochsensible Kindheit – auf der Suche nach Anerkennung

Die meisten Menschen suchen ihr Leben lang nach der Liebe ihrer Eltern. Das betrifft weniger hochsensible genauso wie hochsensible Menschen. Doch ich glaube, dass wir hochsensiblen Menschen durch unsere intensivere Wahrnehmungsverarbeitung möglicherweise auch die Kränkung tiefer erleben und wir länger über bestimmte Erlebnisse nachdenken und –grübeln.

Vielen meiner KlientInnen ist ihre Kindheit nicht in bester Erinnerung. Oft sind die Eltern (körperlich als auch energetisch) abwesend, abweisend, ablehnend, manchmal sogar grenzüberschreitend erlebt worden. Auch wenn man davon ausgehen kann, dass die Eltern alles zu unserem Besten und das Beste nach ihren Möglichkeiten getan haben, war/ist das meistens nicht genug. Auch die liebevollsten Eltern der Welt reagieren manchmal gereizt oder haben zu wenig Zeit…

Da Hochsensibilität vererbt wird, kann man davon ausgehen, dass zumindest ein Eltern- oder Großelternteil selbst hochsensibel ist/war. Doch da alle hochsensiblen Menschen unterschiedlich sind und bis vor kurzem über diesen Wesenszug wenig bis gar nichts bekannt war, ist anzunehmen, dass die vor 2000 Geborenen nicht als „hochsensible Kinder“ erkannt wurden. (Das Jahr 2000 habe ich deswegen angenommen, weil die ersten Forschungsergebnisse über Hochsensibilität im deutschsprachigen Raum in den 1990er Jahren veröffentlicht wurden).

Was passiert, wenn wir uns als Kind ungeliebt fühlen?

  • Wir entwickeln (Verhaltens)-Muster, um den Eltern zu gefallen. Oft sind es negative Glaubenssätze, die wir verinnerlichen und dann verdrängen. Unser Verhalten dient in weiterer Folge als Selbstschutz, damit wir nicht daran erinnert werden, wie sehr wir als Kind verletzt wurden und wie ungenügend wir uns deshalb fühlen.
  • Wir glauben fest an diese Prägungen und nehmen auch unsere Umwelt, unsere Begegnungen und Kommunikation durch diese Brille wahr.
  • Diese Prägungen bestimmen letztendlich auch, welchen Partner und welche FreundInnen wir uns wählen, welchen Gruppen wir uns zugehörig fühlen, wie wir mit unserem Körper umgehen, welcher Arbeit wir nachgehen und wie wir unseren Eltern heute begegnen …
  • Wir leben wie durch einen Schalldämpfer, wir trauen uns nicht, unsere gesamte Gefühlspalette zu leben.
  • Wir opferten schon als Kind unsere Echtheit, um etwas Liebe zu bekommen.
  • Uns leitet immer die Angst, verlassen zu werden, wenn wir unseren wahren Wesenskern zeigen.
  • Wir fühlen uns häufig als Opfer unserer Umstände und machen andere verantwortlich für das, was wir erleben.

Wie kann ich mich von diesen Mustern befreien und wieder der Mensch sein, der ich wirklich/ursprünglich bin?

Wir sind so lange unbewusst auf der Suche nach der liebevollen Mutter und dem liebevollen Vater, bis wir uns bewusst werden, dass die Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung niemals im Außen gefunden werden kann, sondern nur in uns selbst. Erst dann können wir uns aus der Opferhaltung befreien und Verantwortung für unser Leben übernehmen. Am Anfang steht also die Entscheidung, etwas verändern zu wollen.

Es gibt sicher für jede/jeden von uns viele und passende Möglichkeiten, sich nach und nach von möglichst vielen dieser Muster zu lösen. Folgende Methoden fand ich auf meinem Lebensweg sehr hilfreich:

  • Achtsamkeit, Selbstreflektion und Führen eines „Logbuches“: Welche Situationen regen mich unverhältnismäßig auf? Über welche Erlebnisse grüble ich noch lange nach?
    Das Schreiben darüber ist extrem hilfreich: erstens ist es dann aufgeschrieben und ich brauche mich nicht mehr dauernd daran erinnern, weil es ohnehin aufgeschrieben ist. Zweitens erlangt man dadurch eine innere Klarheit und kann Situationen noch mal aus der zeitlichen Distanz erleben.
  • Realitätscheck: Was ist Tatsache und was ist Interpretation meiner Wirklichkeit? Auch hier ist das Schreiben sehr hilfreich: Was ist konkret passiert? Welcher Knopf wurde bei mir gedrückt, was wurde dabei ausgelöst? Welcher negative Glaubenssatz könnte da zum Zug kommen? Was ist meine Interpretation und wie fühle ich mich dabei? Welche Strategie lebe ich, um solche Situationen zu vermeiden? Und auch den Perspektivenwechsel vollziehen: Welche Stärken ergeben sich aus diesen Strategien?
  • Bücher lesen und die Erkenntnisse daraus auch schriftlich festhalten. Meine Buchempfehlungen zum Thema „inneres Kind“ findest du hier.
  • Die eigene, interpretierte Wahrnehmung korrigieren durch Achtsamkeit, sobald sich ein altbekanntes Gefühl/Muster einstellt.
  • Etwas machen, das einen Flow – eine Selbstvergessenheit – in dir auslöst: Egal, ob Tanzen, Musik machen, schreiben, wandern,… sobald du im Flow bist, bist du ganz im Hier und Jetzt. Belastende Gedanken und Grübeleien haben in diesem Zustand keine Chance! Anders als beim Verdrängen dient der Flow hier als Ablenkung. Durch zeitliche Distanz lässt sich vieles besser einem Realitätscheck unterziehen.
  • Selbsterfahrung in Gruppen oder Einzelsettings: Besonders hilfreich empfinde ich Aufstellungen, weil hier in der gesamten Familiensystematik sehr viel auf energetischer Ebene passiert, und die Kinesiologie.
  • Der Vorteil der Kinesiologie ist, dass du erfährst und dir bewusst wird,
    wann ein Muster entstanden ist,
    ob du es selbst entwickelt oder übernommen hast,
    welchen Bezug es dazu in der Gegenwart in deiner Familie, deinen Beziehungen, in deiner Arbeit gibt,
    welchen Vorteil dir das Muster gebracht hat und welche Ressourcen du daraus entwickelt hast.
    Das zu wissen, finde ich für die Selbstreflexion sehr wichtig und unterstützend.

Energy flows – where attention goes

Willst du mehr von etwas, dann richte deine Aufmerksamkeit dorthin. Willst du also mehr Schönes und Angenehmes in deinem Leben manifestieren, dann könntest du z.B. folgende Dinge machen:

  • Mache dir bewusst, wofür du in deinem Leben dankbar bist. Es täglich aufzuschreiben hilft dir, dir diese Punkte noch bewusster zu machen.
  • Mache dir bewusst, welche Stärken und Ressourcen du im Laufe deines Lebens entwickelt hast. Vielleicht gerade durch unschöne Erlebnisse.
  • Begegne dir wohlwollend und wertschätzend: Auch in der Früh beim ersten Blick in den Spiegel. Untertags, wenn dir etwas misslungen ist. Am Abend, wenn du dich vielleicht nicht soo gesund ernährt hast, wie du vor hattest.
    Gib deinem inneren Kritiker immer weniger Platz in deinem Leben.
  • Nimm dein Glück und deine Verantwortung über dein Leben selbst in die Hand. Wir erleben im Alltag unsere Stimmung oft als etwas, das von außen ausgelöst wird, sei es durch Umstände oder anderen Menschen. Doch in Wirklichkeit sind wir selbst für unsere Stimmungen und Entscheidungen verantwortlich.
  • Nimm dir wieder Zeit für alles, was du schon als Kind gerne getan hast oder schon immer mal tun wolltest: zeichnen, malen, etwas aus Ton formen? Origami falten? Oder Drachen fliegen lassen? Oder Lego spielen? Erlaube dir ab jetzt, alles zu spielen und zu tun, was dir als Kind vielleicht nicht erlaubt war oder dir mit den Worten „Das kannst du nicht“ „Das wirst du nie lernen.“ leidig gemacht wurde. Erlaube es dir nun bewusst. Es geht um das Tun, nicht um das Ergebnis!

Aus meinem eigenen Erleben kann ich noch berichten (und vlt. spricht dich das ja auch an):

  • Als meine Mutter gestorben war, habe ich eine Beziehung zu einer Freundin meiner Mutter aufgebaut. Ich nenne sie meine Wahl-Mama. Sie hat 4 eigene und 3 angeheiratete erwachsene Kinder, über 20 Enkel und schon 2 Urenkel. Trotzdem nimmt sie sich Zeit für mich und als ich ihr mein erstes Aquarell geschenkt habe, habe ich ehrliche Freude in ihren Augen gesehen. Ein sehr heilsames Erlebnis für mich! Und für sie bin ich eine Freundin, die zufällig um ca 35 Jahre jünger ist. Mit mir kann sie Dinge besprechen, die sie mit ihren Kindern nicht besprechen kann/mag und gleichzeitig eine „junge“ Meinung einholen möchte. Auch diese Gespräche genieße ich sehr, weil ich ihre Sicht der Dinge unglaublich bereichernd finde.

Egal, welchen Weg du für dich findest, gestalte ihn frei nach dem Motto „Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben“ (Zitat Erich Kästner). Du kannst dir JETZT und JEDERZEIT die emotionale Zuwendung geben, die dir in deiner Kindheit gefehlt hat und so eigenständig Verletzungen aus der Kindheit heilen und ein freudvolles, authentisches Leben führen.
Falls du möchtest, unterstütze ich dich gern ein Stück auf diesem Weg, als Kinesiologin und/oder mit deiner individuellen Inneren-Kind-Puppe.

Ein Gedanke zu „Hochsensible Kindheit – auf der Suche nach Anerkennung“

  1. Sehr schöner Artikel, danke Katharina!

    Konnte mich in vielem wieder finden… Ich bin super dankbar, dass ich heute einen Partner habe, der ebenfalls hochsensibel ist und mir viele deiner Vorschläge schon angeeignet habe, von Achtsamkeit, Familienaufstellungen bis hin zu meinem „5 Dinge für die ich dankbar bin“ Tagebuch am Abend.

    Der Spruch „Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben.“ ist übrigens einer meiner Lieblingssprüche, auch für meine eigenen Klienten.

    Danke nochmal für deine schönen Worte!
    LG Catherine

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